Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass lokale Entzündungen einen bisher nicht beachteten Einfluss auf Herzerkrankungen (kardiovaskulre Erkrankungen), den Diabetes mellitus und das Geburtsgewicht haben kann.

Herzgefässerkrankungen und Schlaganfall:

Eine wesentliche Ursache für diese Erkrankungen sind gefässverändernde Vorgänge (Artheriosklerose) und Gefässverschlüsse (Thrombosen). Diese Prozesse werden durch die in den Blutkreislauf gelangenden Endotoxine gefährdert.
Es konnte gezeigt werden, dass bei Vorliegen einer Parodontitis an mehr als 80% der vorhandenen Zähne das Risiko für eine koronare Herzerkrankung um den Faktor 1,5 - 1,9 erhöht ist einen Schlaganfall um den Faktor 2,8 erhöht ist.

Diabetes mellitus:

Neue Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass der Gesundheitszustand des Zahnfleisches den Zuckerstoffwechsel bei Diabetikern beeinflussen kann. Beim insulinunabhängigen Diabetes mellitus (Typ II) wurde berichtet, dass eine nicht behandelte marginale Parodontitis einen Risikofaktor fürr erhöhte Blutzuckerwerte darstellt. Obwohl der Mechanismus bisher nicht geklärt ist, scheinen durch die Entzündung des Zahnfleisches freigesetzte Stoffe (Zytokine) mit Insulin zu interagieren.

Parodontitis erhöht das Risiko einer Frühgeburt erheblich:

Bereits mehrfach wurde berichtet, dass die Mütter untergewichtiger Neugeborener signifikant höhere Verluste von Zahnfleisch und Kieferknochen aufwiesen als Mütter, deren Neugeborene ein normales Gewicht besassen. Diese Gewebeverluste werden stets durch chronische Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) ausgelöst.
In verschiedenen Studien wurde über einen stark erhöhten Prozentsatz von Frühgeburten und untergewichtigen Kindern (Geburtsgewicht < 2.500 g) bei Müttern mit schwerer marginaler Parodontitis berichtet.
Die in den letzten zwei Jahren publizierten Studien haben gezeigt, dass bei einer schweren Parodontitis der Mutter das Risiko für eine Frühgeburt beziehungsweise für die Geburt eines untergewichtigen Kindes achtmal höher ist! Diese frappierenden Ergebnisse haben in den Vereinigten Staaten in der öffentlichkeit erhebliches Aufsehen erregt. Da aus deutschen Untersuchungen bekannt ist, dass nur ein sehr geringer Teil der Zahl der Parodontitis-Erkrankungen wirklich behandelt wird, gibt es hier einen erheblichen Aufklärungsbedarf.